Klein, aber oho

Der Gemüsegarten zum Mitnehmen

 

Zusammenfassung

Unter der Überschrift „Kleine Fläche, große Wirkung!“ bringt eine Lerninstallation auf der Gartenschau Bad Herrenalb den Besucherinnen und Besuchern die Bedeutung kleinbäuerlicher Landwirtschaft für die globale Ernährungssicherheit nahe.

Im Zentrum der Installation steht eine kleine, informative Schachtel („Steckling“) mit gemischten Gemüsesamensticks, die in kleinen Visitenkartenboxen zur Mitnahme bereitgestellt wird. Der Steckling dient als Startpaket für den eigenen Gemüsegarten und dazu, das Thema auch Zuhause wieder ins Gedächtnis zu rufen. Er ist eingebunden in ein informatives Hochbeet, das sowohl einige der Pflanzen beherbergt, die mithilfe der Samensticks gepflanzt werden können und dessen verlängerte Rückwand gleichzeitig als „klassische“ Informationstafel dient.

Details

Der Steckling ist integriert in ein informatives Hochbeet. Konkret besteht die Bildungsinstallation damit aus folgenden Bestandteilen:

  • Ein quadratisches Hochbeet (70x70x70cm), in dem verschiedene Gemüsepflanzen (Tomate, Paprika, Salate) sowie Kräuter wachsen
  • Die Rückwand des Hochbeets mit einer Höhe von insgesamt 180cm und einem kleinen Dach, das die Exponate vor Regen abschirmt.
  • Auf der Rückwand sind mehrere bedruckte Informationsschilder angebracht, die das Thema zusammenfassen und den Steckling erklären.
  • Außerdem sind darauf vier kleine, wetterfeste Visitenkartenboxen montiert, in denen der Steckling ausliegt.
  • Um die Meinungen der BesucherInnen einzufangen, befindet sich zusätzlich ein etwas größerer Flyerkasten (DinA6) an der Wand, in der Nachrichten an das Projektteam hinterlegt werden können.
Im Inneren des Stecklings befinden sich die Samensticks

Im Inneren des Stecklings befinden sich die Samensticks

Der Steckling wird in einem "Infobeet" präsentiert

Der Steckling wird in einem "Infobeet" präsentiert

Die Installation ist Teil des Rundwegs über die Gartenschau

Die Installation ist Teil des Rundwegs über die Gartenschau

    Hintergrund

    Weltweit hungern noch immer rund 800 Mio. Menschen. Dabei würden die produzierten Nahrungsmittel bereits heute ausreichen, alle satt zu machen, wären sie gerecht verteilt. Eines der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung der Agenda 2030 sieht daher vor, bis 2030 eine Welt ohne Hunger zu schaffen. Bei der Bekämpfung dieses Hungers kommt vor allem auch den kleinbäuerlichen Betrieben eine besondere Bedeutung zu. Denn bereits heute erzeugen 500 Mio. kleinbäuerliche Betriebe rund 80% unserer Nahrung. Das ist eine beeindruckende Zahl, zumal der Großteil von ihnen eine Fläche von weniger als 3 Fußballfeldern bewirtschaftet und häufig unter sehr schlechten Bedingungen arbeitet, also etwa wenig fruchtbare Böden nutzt.

    Obwohl die kleinbäuerlichen Betriebe auch in Anbetracht dieser schwierigen Begleitumstände deutlich effizienter sowie ressourcenschonender und umweltfreundlicher arbeiten, sehen sie sich immer häufiger von der industriellen Landwirtschaft verdrängt. Dass viele kleine Höfe schließen müssen und große internationale Konzerne beträchtliche Flächen Ackerland aufkaufen und gewinn- aber nicht zwingend ertragsmaximierend nutzen, ist ein Phänomen, das sowohl hier in Europa als auch im globalen Süden zu beobachten ist.

    Häufig konzentriert sich die industrielle Landwirtschaft im globalen Süden vor allem auf gewinnbringende Rohstoffe wie Mais oder Soja in Monokulturen, die für den Export bestimmt sind. Sie dienen meist nicht als Lebensmittel, sondern werden zum Beispiel als Futtermittel für Tiere, zur Energiegewinnung oder als Bestandteil von Treibstoff genutzt.

    Ein Umstand, der die Existenz vieler kleinbäuerlicher Betriebe außerdem bedroht, ist der Zugang zu Saatgut. So kontrollieren wenige internationale Firmen fast Dreiviertel des Saatgutmarktes. Sie vertreiben häufig moderne Hochleistungssorten, die auf kostspielige sowie umwelt- und gesundheitsschädliche Pflanzenschutzmittel angewiesen sind und ihre vermeintlich unverzichtbaren Sorteneigenschaften bereits im nächsten Jahr wieder verlieren. Das bedeutet, dass die Landwirte ihr Saatgut jedes Jahr für teures Geld neu einkaufen müssen. Gegen eine mögliche Nachzucht sichern sich die Saatgutkonzerne zudem meist durch exklusive Nutzungsrechte ab, die es den Landwirten verbieten, Saatgut aus der eigenen Ernte zu verkaufen oder nur zu tauschen und sie daher in eine finanzielle Abhängigkeit treiben.

    Anders als die industrielle Landwirtschaft arbeiten kleinbäuerliche Betriebe meist mit biologischen Pflanzenschutzmethoden. Statt einzelne Sorten in Monokulturen wächst auf ihren Feldern eine bunte Vielfalt von Nahrungspflanzen, die an die lokalen Bedingungen angepasst sind. Als Risikoabsicherung gegen mögliche Ernteausfälle setzen sie auf verschiedene Sorten und tragen so zum Erhalt der Biodiversität und der Pflege alter Sorten bei. Es gilt daher, die besondere Bedeutung der Kleinbäuerinnen- und bauern anzuerkennen und ihre Rolle zu stärken. Dazu zählt auch, ihren Zugang zu Land, Wasser und Saatgut zu sichern und keine weitere Verdrängung durch profitorientiere Konzerne zuzulassen, da langfristig nicht die großen Monokulturen mit immer gleichen Hochleistungsorten, sondern die arten- und sortenreichen Felder von Kleinbäuerinnen und –bauern die Ernährungssicherheit gewährleisten.

    Standort und Kooperationspartner

    Die Installation steht als temporäre Ausstellung auf der Schweizerwiese der Gartenschau Bad Herrenalb in Baden-Württemberg. Dort finden sich verschiedene Ausstellungen von Schaugärten über Blumenbeeten und diverse Informationsangebote. Aber auch eine Veranstaltungsbühne und gastronomische Angebote locken die BesucherInnen in diesen Bereich der Gartenschau. Alle Ausstellungsbeiträge, also auch die Installation um den Steckling finden sich entlang der Wege, die einen Rundgang innerhalb der Gartenschau ermöglichen. Da der Großteil der BesucherInnen den Rundweg für den Besuch nutzt, ist sichergestellt, dass sie auch an der Lerninstallation vorbeikommen.

    Das Team der Gartenschau bot zum einen Unterstützung bei der Ausgestaltung und dem Aufbau der Installation, kümmert sich zum anderen aber auch um die laufende Betreuung, indem etwa täglich Stecklinge aufgefüllt werden. Diese Unterstützung ist sehr wertvoll, um einen reibungslosen Ablauf garantieren zu können.

    Budget

    Design

    570€

    Druck und Produktion der Stecklinge (600 St.)

    1.400€

    Schilder

    160€

    Schreinerarbeiten

    580€

    Sonstiges Zubehör

    80€

    Gesamtsumme

    2.790€

    Entwicklungsphasen

    1. Schritt:

    Wahl von Objekt und Thema

    Die Gartenschau Bad Herrenalb bot sich für eine Bildungsinstallation an, da sie vorwiegend ein für das Projekt sehr interessantes Publikum anspricht, nämlich junge Familien sowie VertreterInnen der Generation 50+, die dem Thema Gärtnern und allem, was dazu gehört, grundsätzlich offen gegenüberstehen und meistens schon einige Vorerfahrungen mitbringen. Es galt daher, ein Thema zu wählen, dass an dieses Interesse anknüpft und ein Objekt zu schaffen, dass verschiedene Generationen anspricht und sich ins Ensemble der Gartenschau einfügt.

    Eine interessante Rückmeldung der NutzerInnen bereits entwickelter Installationen ließen wir ebenfalls als Lernerfahrung in unsere Überlegungen einfließen. So wurde angeregt, dass gerade auch Minahmematerial, dass ein Thema unmittelbar erfahrbar macht und eine Möglichkeit bietet, das Vorhaben direkt in die Tat umzusetzen, attraktiv sei.

    2. Schritt:

    Technische und andere Gegebenheiten prüfen

    Nachdem wir uns für den bedruckten Steckling als Mittelpunkt und Mitnahmematerial der Installation entschieden und einen Produzenten ausgewählt hatten, galt es eine passende Präsentationsmöglichkeit zu finden, um den sehr kleinen Steckling in Szene zu setzen. Mit dem Kooperationspartner einigten wir uns auf einen Standort, der an die Ausstellung der lokalen Gemüsebauern anschließt und damit auch einen thematischen Anknüpfungspunkt bietet.

    Die Präsentation sollte sowohl eine gewisse Größe und Präsenz haben, um die Neugier der Vorbeigehenden zu erlangen als auch die Aufmerksamkeit nicht zu sehr vom Steckling selbst lenken. Zudem musste sie sich in die natürliche Umgebung der Gartenschau einfügen. Wir entschieden uns daher für ein sogenanntes „Infobeet“ aus Naturholz. Es besteht aus einem quadratischen Hochbeet mit einer verlängerten Rückwand (180cm), an der sowohl einige Informationsschilder als auch kleine, transparente Visitenkartenboxen angebracht werden können. In ihnen können die Stecklinge wetterfest ausgelegt werden.

    3. Schritt:

    Inhalte festlegen

    Um die HobbygärtnerInnen und jene, die es vielleicht werden wollen und Inspiration auf einer Gartenschau suchen, abzuholen, entschieden wir uns, die Bedeutung kleinbäuerlicher Landwirtschaft und kleiner, effizient bewirtschafteter Nutzflächen für die Ernährungssicherheit in den Fokus zu stellen. Die ausgelegten Stecklinge mit Gemüsesamen, die das Herzstück der Installation sind, können mit nach Hause genommen werden und bieten dort eine gute Möglichkeit, das Thema noch einmal ins Gedächtnis zu rufen sowie selbst zur KleingärtnerIn zu werden. Das Beet mit Gemüsesorten, die auch mithilfe der Stecklinge gezogen werden können (Tomate, Paprika, Salate) veranschaulicht die mögliche Ernte.

    Da die Stecklinge nur in limitierter Auflage vorhanden sind und täglich aufgefüllt werden, damit möglichst viele GartenschaubesucherInnen etwas davon haben, finden sich alle Inhalte, die auf dem Steckling selbst stehen, ebenfalls auf den Informationsschildern am Infobeet. So wird ebenfalls darauf eingegangen, was jedeR EinzelneR nicht nur als KleingärtnerIn, sondern auch als KonsumentIn tun kann, um kleinbäuerliche Betriebe zu unterstützen.

    4. Schritt:

    Kostenplanung und Koordination der Handwerker und Dienstleister

    Um eine ansprechende Gestaltung gewährleisten zu können, wurde die Druckdatei für den Steckling von einer Grafikerin angelegt. Hilfreich war dabei, dass die Produzenten des Stecklings eine offene Druckdatei mitlieferten, aus der einzelne Elemente übernommen werden konnten.

    Die Installation um den Steckling herum wurde von einem lokalen Schreiner übernommen, der bereits andere Exponate der Gartenschau umgesetzt hatte und sich daher mit den verwendeten Materialien und dem Standort selbst auskannte. Er baute das Beet aus naturbelassenem Holz. Das Projektteam kümmerten sich um das dazugehörige Zubehör, also die Visitenkartenboxen und Schilder und lieferte ihm einen genauen Plan, der zeigte, welches Element wo auf der Rückwand angebracht werden muss, damit Missverständnisse ausgeschlossen werden konnten.

    → Achtung: Für den Druck und die Produktion der Stecklinge müssen etwa drei Wochen eingeplant werden.

    → Damit am Ende ein optimales Druckergebnis erzielt werden kann, empfiehlt es sich den Drucker/die Druckerin zu bitten, bereits im Prozess der Designerstellung einen Blick auf die Grafik zu werfen.

    → Ist ein langfristiger Einsatz der Installation geplant, muss ein Holzschutz auf Beet und Rückwand aufgetragen werden.

    5. Schritt:

    Vor-Ort-Installation und weitere Betreuung

    Die bereits fertig montierte Installation wurde vom Schreiner direkt zum Geländer der Gartenschaut geliefert. Vor Ort musste dann noch eine Folie in das Beet eingezogen werden, bevor es befüllt und bepflanzt werden konnte, was vom Projektteam mit Unterstützung eines Mitarbeiters der Gartenschau übernommen wurde.

    Die Schilder und Visitenkartenboxen waren bereits an der Rückwand verschraubt, so dass sie nur noch mit den Stecklingen befüllt werden mussten. Durch die Bepflanzung des Beets und die Limitierung der Stecklinge besteht ein gewisser laufender Betreuungsaufwand. In unserem Fall hat sich das Team der Gartenschau bereit erklärt, das Beet zu pflegen sowie die Boxen täglich mit Stecklingen aufzufüllen.

    Da wir außerdem einen „Briefkasten“ für Lob, Anregungen und Kritik angebracht haben, sollte dieser regelmäßig geleert werden.

    Nutzerreaktionen

    Die Besucherreaktionen werden derzeit noch erfasst und ausgewertet.

    Resümee

    Pro & Contra

    Pro

    • Der Steckling selbst hat neben dem rein informativen Nutzen auch einen praktischen Nutzen.
    • Die Informationen werden mit nach Hause genommen und beim Pflanzen / Betrachten des Ergebnisses wieder ins Gedächtnis gerufen.

    Contra

    • Der Steckling selbst ist recht klein und bietet daher nur sehr eingeschränkt Platz für Informationen. Es empfiehlt sich, auf eine Webseite mit weiterführenden Informationen zu verweisen.
    • Um zu verhindern, dass zu viele Stecklinge auf einmal von nur wenigen Personen mitgenommen werden, ist der Betreuungsaufwand durch das regelmäßige Auffüllen recht groß.

    Mehr zu diesem Thema

    Die Bedeutung kleinbäuerlicher Landwirtschaft: Informatives Posterset von Agrar Koordination mit anschaulichen Grafiken und erläuternden Texten rund um die Themen kleinbäuerliche Landwirtschaft, Welternährung und industrielle Landwirtschaft. (letzter Aufruf 2017/08/10)
    https://www.agrarkoordination.de/uploads/tx_ttproducts/datasheet/Kartenset_Kleinbauern_low.pdf

    "Nur Kleinbauern können die Welt ernähren": Interview mit der indischen Globalisierungskritikerin über eine nachhaltige Landwirtschaft (letzter Aufruf 2017/08/10)
    http://www.dw.com/de/shiva-nur-kleinbauern-k%C3%B6nnen-die-welt-ern%C3%A4hren/a-18081063

    Ökologische Landwirtschaft als Chance: Interview mit dem kenianischen Kleinbauern-Aktivisten Joseph Ngugi Mutura im welt-sichten Magazin. (letzter Aufruf 201/08/10)
    https://www.welt-sichten.org/artikel/32406/kein-bauer-kenia-benutzt-so-viel-duenger-wie-empfohlen

    Vielfalt säen: Ein Bericht von Brot für die Welt zur Bedeutung des Saatguts als Keimzelle des Lebens. (letzter Aufruf 201/08/10)
    https://www.ekd.de/agu/download/Broschuere-Saatgut_Vielfalt_saeen.pdf

    Solidarische Landwirtschaft: Die solidarische Landwirtschaft soll die Kleinbäuerinnen und –bauern stärken. Wie sie funktioniert, erklärt Landwirt Christian Heymann im Interview: (letzter Aufruf 201/08/10)
    http://www.bpb.de/mediathek/245073/auf-die-kleinbauern-kommt-es-an-so-funktioniert-die-solidarische-landwirtschaft

    Besser anders, anders besser: Die Broschüre von Misereor, Inkota, der Heinrich-Böll-Stiftung und einigen weiteren Organisationen erklärt, warum Landwirtschaft und Ernährung anders besser geht. (letzter Aufruf 201/08/10)
    https://www.misereor.de/fileadmin/publikationen/broschuere-agraroekologie.pdf

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