Ernährung rund um die Welt

Die Pflanzentafel

 

Zusammenfassung

Yam, Maniok und Sorghum – diese Pflanzen sind in Deutschland eher unbekannt. Kartoffeln und Reis landen dagegen sehr häufig in den deutschen Kochtöpfen. Diese und weitere Pflanzen haben jedoch eines gemeinsam: Sie sichern weltweit Millionen von Menschen die Ernährung. Doch was bedeutet Ernährungssicherheit konkret? Diesem komplexen Thema widmet sich die Installation im Interkulturellen Garten Filderstadt.

Um eine weltweite Ernährungssicherheit zu gewährleisten, müssen viele Faktoren wie die Verteilung, Vielfalt, Nutzung aber auch der Zugang zu Lebensmitteln beachtet werden. Sie werden auf der Tafel erläutert. Sie zielt außerdem darauf ab, die weltweite Vielfalt von Ernährungspflanzen und deren Besonderheiten spielerisch vorzustellen. Daher können auf einer Weltkarte diese Pflanzen jenen Ländern zugeordnet werden, in denen sie häufig zu finden sind.

Details

  • Die Tafel selbst hat ein Format von 1m x 1,40m. Sie ist in einem Holzrahmen installiert und mit vier Füßen im Boden befestigt, damit sie stabil steht. Um die Tafel vor der Witterung zu schützen, befindet sich ein kleines Dach darüber.
  • Auf einer der beiden Seiten befindet sich ein Spiel, das zum Ziel hat, Pflanzen jenen Ländern zuzuordnen, in denen sie häufig zu finden sind. Die entsprechenden Länder sind auf einer Weltkarte deutlich hervorgehoben. Um die Lösung des Verschiebespiels sichtbar zu machen, befindet sich auf den markierten Ländern bereits ein Teil der jeweiligen Pflanze. Schiebt man nun den zweiten Teil der Pflanze zum richtigen Land, ergibt sich eine vollständige Abbildung der Pflanze.
  • Die zweite Seite dient als Informationstafel. Hier finden sich Fakten zu den einzelnen Pflanzen. Ein allgemeiner Text informiert außerdem über das Thema Ernährungssicherheit und gibt Tipps wie man im persönlichen Alltag zur globalen Ernährungssicherheit beitragen kann.
  • Für die BesucherInnen gibt es zum Mitnehmen außerdem Din-A5-Postkarten mit Kochrezepten und Anbauanleitungen für Quinoa und Kartoffeln.
Auf der Vorderseite können die Pflanzen den jeweiligen Ländern zugeordnet werden

Auf der Vorderseite können die Pflanzen den jeweiligen Ländern zugeordnet werden

Die Rückseite zeigt weitere Bilder der Pflanzen und spannende Informationen

Die Rückseite zeigt weitere Bilder der Pflanzen und spannende Informationen

    Hintergrund

    Ernährungssicherheit

    Eines der 17 UN-Nachhaltigkeitsziele, die im Januar 2016 in Kraft traten, verfolgt eine Welt ohne Hunger. Ein Faktor, der eine sehr wichtige Rolle spielt, um dieses Ziel zu erreichen, ist die sogenannte Ernährungssicherheit. Sie herrscht erst dann, wenn weltweit alle Menschen jederzeit genügend zu essen haben. Der Weltrisikobericht 2015 definiert Ernährungssicherheit folgendermaßen: „Eine Situation, die dann herrscht, wenn alle Menschen jederzeit physischen, sozialen und ökonomischen Zugang zu ausreichender, gesundheitlich unbedenklicher und nährstoffreicher Nahrung haben, die ihren Ernährungsbedarf deckt und ihren Nahrungsmittelpräferenzen für ein aktives, gesundes Leben entspricht.“
    Das bedeutet, dass nicht nur die Menge der Nahrung entscheidend ist, sondern auch die Qualität und Verteilung der Nahrung. Außerdem trägt die Ernährungspraxis vor Ort und die lokale ökonomischen und sozialen Situation zur Ernährungssicherheit bei. Man spricht daher auch von den vier Säulen Verfügbarkeit, Zugang, Nutzung und Stabilität, auf denen Ernährungssicherheit beruht.

    Verfügbarkeit
    Weltweit sind rein rechnerisch genügend Lebensmittel vorhanden, nur leider sind diese nicht gerecht verteilt. Täglich stehen jeder Person statistisch etwa 2.800 Kilokalorien zur Verfügung. Bei einer gerechten Verteilung gäbe es also keinen Hunger mehr. Das momentane Verteilungsproblem führt allerdings zu Unter- oder Überversorgung in bestimmten Regionen. In Deutschland werden zum Beispiel jährlich 18 Mio. Tonnen Lebensmittel weggeworfen, während in anderen Ländern die Nahrung nicht ausreicht.

    Zugang
    Jeder Mensch hat individuelle Möglichkeiten, an Nahrung zu gelangen. Manche bauen die Nahrung selbst an, während andere die Lebensmittel auf dem Markt oder im Discounter einkaufen. In Deutschland beeinflusst vor allem das Einkommen den Zugang zu Lebensmitteln, in anderen Ländern wiederum baut der Großteil der Bevölkerung seine Nahrung selbst an. Beide Zugänge können durch Krisen gestört werden. Durch gesundheitliche Probleme oder Klimaveränderungen kann der Nahrungsanbau erschwert werden. Ebenso kann ein gesunkenes Einkommen dazu führen, dass Lebensmittel nicht mehr bezahlbar werden und so zu Ernährungsunsicherheit führen.

    Nutzung
    Eine vielfältige und nährstoffreiche Ernährung trägt wesentlich zur Gesundheit bei und beugt zum Beispiel einer Mangelernährung vor. Leider ist diese vielfältige Ernährung nicht überall auf der Welt gewährleistet. In der industriellen Landwirtschaft werden nur wenige Sorten der bekannten Nahrungspflanzen angebaut. Dadurch wird die Sortenvielfalt nicht voll ausgenutzt. Diese Vielfalt ist nicht nur für die Ernährung wichtig, sondern dient auch dazu, dass Nahrungspflanzen sich an ihren Lebensraum anpassen und somit auch klimatischen Veränderungen Widerstand leisten können. 

    Stabilität
    Damit Ernährungssicherheit herrscht, muss die Versorgung auch in Krisenzeiten gewährleistet sein. Häufig erschweren jedoch beispielsweise lokale Konflikte den Zugang zu Nahrungsmitteln oder schränken deren Verfügbarkeit stark ein. Auch der Handel mit Lebensmitteln an den weltweiten Börsen stellt zum Beispiel solch eine Bedrohung dar, da er zu unvorhersehbaren Preisschwankungen führen kann. Erreicht eines dieser beispielhaften Risiken einen Extrembereich, ist die Stabilität der Ernährungssicherheit gefährdet. In den letzten Jahrzehnten haben sich vor allem auch klimatische Veränderungen als großes Risiko herausgestellt. Dürren, aber auch Überflutungen, Stürme und Temperaturschwankungen können die Ernte von Lebensmitteln reduzieren oder in manchen Teilen der Welt ganz auslöschen.

    Standort und Kooperationspartner

    Die Pflanzentafel entstand in Kooperation mit VertreterInnen der Stadt Filderstadt und des Interkulturellen Gartens Filderstadt. Der Interkulturelle Garten ging als Initiative aus dem Forum Interkulturelles Miteinander hervor. Er liegt am Ortsrand von Sielmingen, einem Stadtteil von Filderstadt, angrenzend an das dortige Schulzentrum. Neben einem bunten Kräuterbeet und einer üppigen Anbaufläche, die die GärtnerInnen unter sich aufgeteilt haben, bietet der Garten eine große Gemeinschaftsfläche für gemeinsame Aktivitäten und Veranstaltungen. Da die Begegnung, die Kommunikation und das Miteinander in diesem Garten im Mittelpunkt stehen sollen, steht er aber nicht nur den aktiven GärtnerInnen und ihren Familien selbst, sondern auch allen weiteren Frischluftliebhabern als Aufenthaltsort zur Verfügung.

    Wichtig war daher, dass die dort aufgestellte Installation sowohl einen Mehrwert für die Mitglieder des Gartens bietet, als auch vorbeigehende SpaziergängerInnen einlädt, stehen zu bleiben.

    Budget

    Bau der Holztafel

    1.500€

    Grafik und Druck

    1.742€

    Begleitmaterial

    210€

    Gesamtsumme

    3.452€

    Entwicklungsphasen

    1. Schritt:

    Wahl von Objekt und Thema

    Für den Interkulturellen Garten in Filderstadt war es wichtig eine Installation zu erstellen, die zum einen nützliche und neue Informationen für die Gartenmitglieder selbst bietet, aber zum anderen auch interessant für außenstehende BesucherInnen sein kann. Am Garten führt ein Feldweg vorbei, sodass auch SpaziergängerInnen einen Blick in den Garten werfen können und eingeladen sind, im Garten zu verweilen.
    Außerdem sollte die Installation einen Mehrwert für Kinder haben, da der Garten an eine Schule grenzt. Auch sie und weitere junge BesucherInnen sollten auf spielerische Weise etwas von den dargestellten Informationen mitnehmen können. Die Kombination von Informationen mit einem Spiel war daher essentiell für die Entwicklung der Installation, da beide Elemente einen Mehrwert für Kinder, aber auch für Erwachsene haben.

    In der Diskussion wurde deutlich, dass das Thema Ernährung allen Beteiligten sehr wichtig ist und außerdem sowohl für Kinder als auch für Erwachsene einen geeigneten Zugang bietet.

    2. Schritt:

    Technische und andere Gegebenheiten prüfen

    Nachdem die ersten thematischen Überlegungen abgeschlossen waren, konnten durch einen Besuch des Gartens die Gegebenheiten vor Ort geprüft werden. Besonders wichtig war zu diesem Zeitpunkt die Standortwahl. Es musste genügend Platz vorhanden sein, damit beide Seiten der Tafel betrachtet werden können. Außerdem sollte die Tafel so platziert werden können, dass sie von außen gut sichtbar ist, die GartennutzerInnen aber gleichzeitig auch nicht bei ihren üblichen Abläufen einschränkt. Für die Befestigung der Tafel ist es außerdem von Vorteil, wenn die Wege zum Garten auch mit dem Auto zugänglich sind.

    Für die technische Umsetzung war es weiterhin wichtig, dass die Installation stabil genug ist um eventuellem Vandalismus standzuhalten. Gleichzeitig sollte sie für spielende Kinder ungefährlich sein. Da die Installation im Freien aufgestellt wird, war es außerdem relevant, dass diese der Witterung trotzen kann, also etwa entsprechende Schutzlackierungen möglich sind.

    3. Schritt:

    Inhalte festlegen

    Die Inhalte wurden in einem gemeinsamen Prozess mit den Kooperationspartnern vor Ort festgelegt. Vor allem bezüglich der Pflanzen war es wichtig, solche Pflanzen auszusuchen, die in Ländern bekannt sind, die auch durch die BürgerInnen in Filderstadt repräsentiert werden. Ein wichtiger inhaltlicher Aspekt war außerdem, dass einige der vermeintlich unbekannten und exotischen Pflanzen auch hier in Deutschland angebaut werden können und somit auch den GärtnerInnen neue Ideen und Inspiration für den Pflanzenanbau gegeben werden können.

    Nachdem die Inhalte mit den Kooperationspartnern festgelegt waren, wurden die Texte von uns ausformuliert und schließlich vom Grafiker gestaltet.

    4. Schritt:

    Kostenplanung und Koordination der Handwerker und Dienstleister

    Um die Pflanzentafel zu realisieren, mussten vor der Inhaltserarbeitung zunächst Gespräche mit verschiedenen Dienstleistern geführt werden, ob und vor allem wie das angedachte Spiel umsetzbar ist. In der Entwicklung der Installation mussten oft parallel Gespräche mit verschiedenen Dienstleistern geführt werden wie zum Beispiel dem Schreiner, der Grafikerin und der Druckerei. Damit alle Arbeitsschritte nahtlos ineinander übergehen können und keine Missverständnisse auftreten, ist es durchaus sinnvoll, dass auch die Dienstleister untereinander in Kontakt treten. Mit der Schreinerei sollte außerdem frühzeitig die Frage nach dem Aufbau geklärt und sichergestellt werden, ob ein Fundament empfohlen wird.

    → Tipp: Damit der Druck auf den Holztafeln der Witterung lange standhalten kann, sollte eine Schutzlackierung angebracht werden.

    5. Schritt:

    Vor-Ort-Installation und weitere Betreuung

    Die Pflanzentafel wurde vor Ort von der Schreinerei im Boden befestigt. Einmal aufgebaut, ist der Betreuungsbedarf der Installation relativ überschaubar. So muss lediglich darauf geachtet werden, dass das Begleitmaterial von Zeit zu Zeit aufgefüllt wird und überprüft werden, ob und wie die Tafel der Witterung stand hält.

    Nutzerreaktionen

    Die Besucherreaktionen werden derzeit noch erfasst und ausgewertet.

    Resümee

    Pro & Contra

    Pro

    • Kinder, aber auch Erwachsene werden durch die verschiedenen Ebenen der Installation angesprochen. Für die Kinder ist der spielerische Aspekt der Vorderseite wichtig, wogegen für Erwachsene der Informationstext auf der Rückseite interessant ist.
    • Durch die Größe der Tafel kann die Vielfalt von Nahrungpflanzen dargestellt werden.

    Contra

    • Die Wahl des Standorts gestaltet sich etwas schwierig, da man beide Seiten der Tafel betrachten können muss.
    • In den Wintermonaten ist der Standort leider nicht belebt, die Nutzung ist also sehr saisonabhängig.

    Lernerfahrungen

    Bei der Entwicklung dieser Tafel ist uns besonders aufgefallen, dass persönliche Gespräche mit den Dienstleistern vor Ort lohnenswert sind. So können Missverständnisse vorgebeugt werden und jede/r Beteiligte hat die gleichen Vorstellungen vom und Erwartungen an das Projekt.

    Mehr zu diesem Thema

    Die vier Säulen der Ernährungssicherheit: Ein Dossier der Bundeszentrale für politische Bildung (letzter Aufruf 2017/01/10)
    http://www.bpb.de/internationales/weltweit/welternaehrung/178438/ernaehrungssicherheit-und-nahrungsmittelpreise

    Der WeltRisikoBericht 2015: Der WeltRisikoBericht 2015 nimmt das Schwerpunktthema Ernährungssicherheit in den Fokus (letzter Aufruf 2017/01/11)
    http://www.welthungerhilfe.de/fileadmin/user_upload/Mediathek/Hintergrundinfo/Studien/WeltRisikoBericht-2015-Katastrophen-Ernaehrungssicherheit-BEH-Welthungerhilfe.pdf

    Hunger durch Klimawandel: Ein Artikel von Oxfam Deutschland über die Folgen des Klimawandels für die Ernährungssicherheit (letzter Aufruf 2017/01/11) https://www.oxfam.de/system/files/oxfam_kk2015_factsheet2_final_www.pdf

    Sichere Ernährung: Brot für die Welt berichtet in einem Artikel über die Zusammenhänge zwischen der bäuerlichen Landwirtschaft und der Ernährungssicherheit (letzter Aufruf 2017/01/11)
    https://www.brot-fuer-die-welt.de/themen/ernaehrung/

    Weltweite Ernährung sichern: Ein Artikel zum Thema Ernährungssicherheit vom Bundesministerium für Bildung und Forschung aus Sicht der Bioökonomie (letzter Aufruf 2017/01/11)
    https://www.bmbf.de/de/weltweite-ernaehrung-sichern-733.html

    Ernährungssicherheit bei rasch wachsender Bevölkerung: Das Berlin Institut für Bevölkerung und Entwicklung untersucht in einem Artikel den Zusammenhang von Ernährungssicherheit und Bevölkerungswachstum (letzter Aufruf 2017/01/11)
    http://www.berlin-institut.org/fileadmin/user_upload/handbuch_texte/pdf_Heidhues_Welternaehrung.pdf

    Food Security in Africa: Eine politische Analyse und Kommentar der Heinrich-Böll-Stiftung zur Ernährungssicherheit in Afrika (letzter Aufruf 2017/01/11)
    https://www.boell.de/sites/default/files/2011-04-perspectives_southern_africa_01_11.pdf

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