Facetten der Landwirtschaft

Die Lernbänke

 

Zusammenfassung

An der Katharinenlinde in Esslingen treffen mehrere Wanderwege aufeinander, ein Gasthaus bietet den Vorbeikommenden Erfrischung und Stärkung, ein Turm ermöglicht eine grandiose Aussicht auf die gesamte Umgebung und Parkbänke laden zum Verweilen ein. Neben dem Erholungsfaktor bieten diese Bänke seit kurzem außerdem Informationen über „Land & Wirtschaft“. Insgesamt fünf Bänke wurden dem globalen Lernen zur Verfügung gestellt. Ihre Rückenlehnen dienen nun als Informationstafel und ein Begleittext gibt tiefergreifende Einblicke.

Die Bänke thematisieren fünf unterschiedliche Aspekte der globalen Landwirtschaft: Flächennutzung, Lebensmittelverschwendung, Landraub, Wassernutzung und die Erfolgsgeschichte der Kartoffel. Der Bezug zwischen Standort und Inhalt der Bank wird dabei deutlich gemacht, sodass ein einfacher Zugang entsteht. Neugierde und Interesse werden vor allem dadurch geweckt, dass die Informationstafeln nicht zusätzlich am Wegesrand, sondern direkt auf bereits vorhandenen und nützlichen Gegenständen angebracht wurden.

Details

Die Installation besteht aus insgesamt fünf Informationstafeln an den Rückenlehnen von Parkbänken mit je einer kleineren, begleitenden Informationstafel, die an der Bank befestigt ist und zum Lesen in die Hand genommen werden kann. 

  • Alle Bänke haben ähnliche Designelemente und beginnen mit derselben Überschrift: „Wenn Sie auf dieser Bank Platz nehmen, ...“
  • Die erste Bank zeigt auf, für was globale Land-/Ackerflächen genutzt werden und geht auf dem Begleittext weiter auf die Landnutzung in Deutschland ein.
  • Auf der zweiten Bank wird die Geschichte der Kartoffel skizziert, genauere Informationen dazu finden sich auf dem Begleittext.
  • Die dritte Bank macht auf die Probleme der Lebensmittelverschwendung aufmerksam und gibt im Begleittext Hinweise zur Müllreduzierung.
  • Auf der vierten Bank finden sich Informationen zu dem Zusammenhang von Landwirtschaft und Wasserverbrauch. Die Auflösung, wie viel virtuelles Wasser hinter unseren Lebensmitteln steckt, findet sich im Begleittext.
  • Die fünfte Bank beschreibt, dass Land als globale Ware gehandelt wird, meist ohne Rücksicht auf die Menschen vor Ort. Der Begleittext berichtet von Landraub auch hier in Deutschland.
  • Alle Informationstafeln erstrecken sich über die gesamte Länge und Breite der Rückenlehnen und bestehen aus umweltfreundlichen HPL-Platten, die auf das Holz geschraubt wurden.
  • Die Begleittexte im Format DIN A 4 sind mit Drahtseilen an den Bänken befestigt und daher beweglich, um sie beim Sitzen in die Hand nehmen und lesen zu können.   

    Hintergrund

    Jeden Tag, selbst Samstagabends kurz vor Ladenschluss, liegt in Deutschlands Supermärkten frisches Obst und Gemüse in den Regalen. Die Fleisch- und Käsetheke ist gut bestückt, die Gefrierschränke sind voll. Alle Produkte sind schön hergerichtet, sauber, eingepackt. Bei all diesem Überfluss und der ständigen Verfügbarkeit ist vielen Menschen heute nicht mehr bewusst, wo ihre Lebensmittel eigentlich herkommen. Dabei ist unsere lokale Landwirtschaft im ländlichen Raum inzwischen kaum mehr von ihrer globalen Dimension zu trennen, wo wir doch Äpfel aus Neuseeland und Ananas aus Südamerika importieren.

    In der Landwirtschaft zeigen sich viele Herausforderungen für eine nachhaltige Entwicklung - in Deutschland und weltweit. Trotz einiger Fortschritte hungern weltweit immer noch Millionen von Menschen – obwohl rein rechnerisch genug für alle da wäre! Ernährung ist ein komplexes Thema, mit einer Vielzahl von beteiligten Akteuren. Die Preise von Reis und Getreide werden an der Börse entschieden, Kleinbäuerinnen und –bauern kämpfen um ihre Existenz gegenüber großen Marktführern, Pestizide vergiften Böden, Jahrhunderte alte Regenwälder werden gerodet, der Klimawandel wird beschleunigt und fordert gleichzeitig seine Tribute,…

    Fest steht, dass konventionelle Landwirtschaft die Kapazitäten und Ressourcen der Erde ausschöpft und daher nicht zukunftsfähig sein kann. Alternativen wie solidarische Agrargemeinschaften und Permakulturen hingegen werden bereits gelebt – doch sie können bisher nur begrenzt etwas gegen das globale System der Ausbeutung der Umwelt ausrichten.

    Die Bänke an der Katharinenlinde in Esslingen erzählen nun von unterschiedlichen Aspekten rund um globale Landwirtschaft und geben Impulse, wie wir selbst etwas zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen können.

    Standort und Kooperationspartner

    Die Bänke entstanden in Kooperation mit dem Grünflächenamt der Stadt Esslingen. Sie befinden sich rund um die Esslinger „Katharinenlinde“, einem viel frequentierten Ausflugsziel, an dem Menschen gerne ihre Freizeit verbringen, um spazieren zu gehen, Rad zu fahren oder einfach die frische Luft und den Ausblick zu genießen. Da sich dort mehrere Wanderrouten kreuzen und auch der bekannte „Esslinger Höhenweg“ vorbeiführt, sind die Parkbänke entlang der Wege beliebte Rastplätze. Ein kleines Gasthaus sowie ein Aussichtsturm sorgen außerdem dafür, dass der Treffpunkt „Katharinenlinde“ zu allen Jahreszeiten sehr beliebt ist. 

    Der öffentliche Zugang und das breite Publikum von PassantInnen machen dieses Ausflugsziel zu einem hervorragend geeigneten Ort für Installationen des globalen Lernens.

    Zu Fuß gelangen Sie zur Katharinenlinde über den Esslinger Höhenweg. Vom Stadtzentrum Esslingen aus gehen Sie zur Frauenkirche und beginnen den Aufstieg durch die Weinberge. Ab hier folgen Sie einfach den Schildern zu Katharinenlinde.

    Budget

    Design

    650€

    Druck

    1.170€

    Anbringung

    440€

    Gesamtsumme

    2.260 €

    Entwicklungsphasen

    1. Schritt:

    Wahl von Objekt und Thema

    Die Kooperationspartner der Stadt Esslingen schlugen die Katharinenlinde als geeigneten Ort vor, weil dort vor allem im Sommer viele Leute unterwegs sind. Die Bänke miteinzubeziehen bot sich direkt an, da sie den Platz dominieren und man ansonsten zusätzlich neue Objekte als Informationsträger hätte aufstellen müssen. So erhalten die Bänke lediglich einen weiteren Nutzen, ohne in ihrer eigentlichen Funktion eingeschränkt zu werden.

    Das Thema der Installation sollte zur Umgebung passen. Da sich die Bänke inmitten von Wiesen und Feldern befinden und man einen schönen Rundum-Blick auf die Landschaft genießen kann, haben wir das Thema Landwirtschaft ausgewählt. Mithilfe eines direkten lokalen Anknüpfungspunkts auf jeder Bank („Wenn Sie auf dieser Bank Platz nehmen, sehen Sie ….“) wird die Betrachterin/der Betrachter auf den Kontext hingewiesen und findet ein Übergang hin zu globalen Themen statt.

    2. Schritt:

    Technische und andere Gegebenheiten prüfen

    Nachdem wir uns für die Anbringung von Informationstafeln auf die Holzbänke entschieden hatten, brauchten wir ein bedruckbares Material, das für eine solche Outdoor-Installation geeignet ist. Es sollte möglichst witterungsbeständig und haltbar, aber natürlich auch selbst umweltfreundlich herzustellen sein. Wir entschieden uns daher für Platten aus HPL (High Pressure Laminat), mit denen wir bereits bei anderen Installationen gute Erfahrungen gemacht hatten.

    Das Begleitmaterial sollte einerseits fixiert werden können, damit man es nicht mitnehmen kann, und andererseits in kleinem Maße beweglich sein, sodass es sich bequem in die Hand nehmen und lesen lässt. Uns wurde daher empfohlen, ein Loch in die Platte zu bohren und einen ummantelten Draht zu benutzen, um die Platte an der Bank zu befestigen.

    Die Anbringung sollte in Absprache mit den Kooperationspartnern erfolgen. In unserem Fall konnten wir einen Kontakt zu der Firma herstellen, die die Bänke gebaut und aufgestellt hatte und dann auch die Montage der Platten übernahmen.

    3. Schritt:

    Inhalte festlegen

    Die groben Inhalte und Themen wurden gemeinsam mit den Kooperationspartnern festgelegt. Dabei legten wir Wert darauf, einen direkten Bezug des Themas zu dem Standort der Bänke herzustellen. Anschließend wurden die Inhalte von uns konkretisiert. Dabei achteten wir auf eine verständliche und einfache Sprache. Zudem entschieden wir uns für relativ wenig Text und für eine ansprechende grafische Gestaltung und nachvollziehbare Darstellung von Daten zum Beispiel in Form von Diagrammen.

    4. Schritt:

    Kostenplanung und Koordination der Handwerker und Dienstleister

    Um die Bänke grafisch ansprechend und künstlerisch zu gestalten, haben wir den Auftrag an eine Grafikerin abgegeben. Wichtig war uns ein einheitliches Design der Bänke und der Begleittafeln, das deutlich macht, dass die Bänke zusammengehören. Hier ist eine enge Abstimmung mit der Grafikerin oder dem Grafiker sinnvoll. Außerdem sollte man ihr/ihm ein Foto der Bank zukommen lassen.

    Die Informationsschilder wurden auf HPL-Tafeln (High Pressure Laminat) gedruckt. Dieses Material ist für den Außenbereich besonders geeignet, da es sehr robust und kratzfest ist.

    → Achtung: Für den Druck auf HPL muss mehr Zeit eingeplant werden als für herkömmliche Materialien (mind. 3 Wochen). Außerdem eignet sich das Material nicht für sehr kleinteilige Motive, da es durch die spezielle Beschichtung einen leicht verschwommenen Effekt erhält.

    → Damit am Ende ein optimales Druckergebnis erzielt werden kann, empfiehlt es sich den Drucker/die Druckerin zu bitten, bereits im Prozess der Designerstellung einen Blick auf die Grafik zu werfen.

    5. Schritt:

    Vor-Ort-Installation und weitere Betreuung

    Die Anbringung der Informationstafeln konnte in unserem Fall von der gleichen Firma erfolgen, die schon selbst die Holzbänke gebaut und aufgestellt hatte. Dies hat den Vorteil, dass das Material sowie die Maße bekannt sind.

    → Achtung: es sollte ein Standort gewählt werden, der zumindest annähernd mit dem Auto zugänglich ist, damit die HandwerkerInnen ihr Arbeitsmaterial selbst transportieren können.

    Bei der Anfertigung der Schilder ist darauf zu achten, mögliche Verletzungsgefahren wenn möglich auszuschließen, zum Beispiel indem man die Ecken abrundet. Auch sollte der Draht der Begleittafel nicht allzu lang sein.

    Durch das langlebige Material benötigen unsere Lernbänke keinerlei weitere Betreuung.

    Nutzerreaktionen

    Die Besucherreaktionen werden derzeit noch erfasst und ausgewertet.

    Resümee

    Pro & Contra

    Pro

    • Es werden vorhandene Objekte benutzt und es muss nichts Zusätzliches aufgestellt werden.
    • Die Installation ist sehr langlebig.
    • Die ungewöhnlichen Motive ziehen die Aufmerksamkeit der Vorbeigehenden auf sich.
    • Durch die Verteilung auf mehrere Standorte wird die Aufmerksamkeit erhöht und können die Skulpturen gleichzeitig von mehreren Leuten betrachtet werden.

    Contra

    • Das Begleitmaterial ist anfällig für Vandalismus.
    • Während sich SpaziergängerInnen auf den Bänken ausruhen, können die Texte von den Vorbeigehenden nicht gelesen werden.

    Mehr zu diesem Thema

    Teller statt Tonne: Das Projekt lässt SchülerInnen hautnah erfahren, wo Lebensmittel herkommen und warum sie keinesfalls in die Mülltonne gehören. http://www.teller-statt-tonne.de/

    Klasse Wasser: Hier gibt es gute Materialien rund um das Thema Wasser für SchülerInnen und LehrerInnen. http://www.klassewasser.de/

    Petition gegen den Hunger: Die Welthungerhilfe hat eine Petition gestartet, um die Staatsoberhäupter der G20 daran zu erinnern, dass „Zero Hunger“ bis 2020 erreicht werden soll. Unterschreiben Sie hier: http://www.welthungerhilfe.de/mitmachen/petition/hunger-beenden-bis-2030/

    Fleischatlas: Die Heinrich Böll Stiftung zeigt in ihren Broschüren auf, dass Essen eine politische und ethische Dimension besitzt. https://www.boell.de/de/fleischatlas

    Solidarische Landwirtschaft: Wer die konventionelle Landwirtschaft satt hat, kann sich mit LandwirtInnen solidarisch zeigen und erhält dabei einen Teil der Ernte. https://www.solidarische-landwirtschaft.org

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